Austauschgespräch zur Beschäftigungssituation von Menschen mit Behinderung

Am 19.04.2018 haben sich Vertreter der Landesarbeitsgemeinschaft der Hamburger Inklusionsunternehmen, LAG IF mit Hr. Sönke Fock, seines Zeichens Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburger Arbeitsagentur im Haus5 zu einem Arbeitsfrühstück zusammen gefunden.

Teilnehmer des Austauschgespächs

v.l.n.r. Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Hamburg, Dieter Sanlier, LAG IF Sprecher und Geschäftsführer Haus5 Service gGmbH, Jürgen Runge, Geschäftsführer Zukunft Arbeit gGmbH

Inhaltliche Themen waren die Vorstellung der Positionen der Inklusionsunternehmen auf Bundesebene, als auch die Besonderheiten in Hamburg und unser Fünf-Punkte-Programm der Hamburger Inklusionsunternehmen.

Weiterhin gab es einen regen Austausch zu Fragen der Beschäftigungssituation von Menschen mit Behinderung als auch der individuellen Förderung von langzeitarbeitslosen Menschen.

Die Situation der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung hat in den letzten Jahren einen leicht positiven Trend aufzuweisen. Dies wird unter anderem durch das Inklusionsbarometer der Aktion Mensch dokumentiert. Dies gilt sowohl für das Bundesgebiet als auch für die Freie und Hansestadt Hamburg.

Der Fortschritt ist sowohl qualitativ als auch quantitativ festzustellen. Angestoßen durch vielfältige Initiativen, zu denen auch die bedeutsame UN-Behinderten-Rechtskonvention zählt, gewann insbesondere die Inklusion an Relevanz. Die Hamburger Verwaltung engagiert sich seit Jahren für eine Beschäftigung von beeinträchtigten Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt als Alternative zu Sondereinrichtungen. Das Hamburger Budget für Arbeit ist ein bundesweit beachteter Meilenstein und in der sogenannten Platzdichte des Werkstattangebots (Werkstattplätze in Bezug auf die Bevölkerungszahl) liegt Hamburg am untersten Ende in der Bundesrepublik.

Bundesweit sank von 2015 auf 2016 die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten um 4,6% und damit stärker als die allgemeine Arbeitslosigkeit. Im Jahr zuvor war allerdings noch ein Anstieg zu verzeichnen. Die Statistik zeigt damit, wie fragil solche Tendenzen sein können. Die Quote der Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen stieg in der privaten Wirtschaft von 2008 bis 2014 von 3,7 auf 4,1 Prozent und im Öffentlichen Dienst von 6,1 auf 6,6 Prozent. Auch dies kann als Zeichen einer größeren Integrationswilligkeit gewertet werden, ist wohl aber in erster Linie der guten wirtschaftlichen Situation geschuldet.

Die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass in den kommenden Jahren zunehmend Menschen aus den geburtenstarken Jahrgängen in die Altersgruppe der 55- bis unter 65-jährigen eintreten. Hier sind schwerbehinderte Menschen überproportional stark vertreten. Aufgrund dieses Effekts steigt das Arbeitslosenrisiko.

Bei aller positiven Entwicklung muss beachtet werden, dass die Chancen auf eine Beschäftigung im allgemeinen Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung wesentlich schlechter sind als für Nichtbehinderte. Im Oktober 2016 betrug die allgemeine Arbeitslosenquote 5,8%, für Schwerbehinderte 13,4%. In dieser Gruppe sind 45,8% langzeitarbeitslos.

Hierzu warten Hamburger- und Bundesarbeitsagentur sowohl auf die weitere Vorgehensweise durch die neue Bundesregierung als auch auf die Umsetzung von Rahmenrichtlinien zum neuen Koalitionsvertrag, da dieser sich noch nicht eindeutig zu diesem Thema positioniert.

Ein weiteres Thema waren mögliche Fortbildungsformate und deren Refinanzierung für die einzelnen Zielgruppen von Inklusionsunternehmen, die nicht über die originären wirtschaftlichen Erlöse abzubilden sind, da es sich in der Regel um Inhalte handelt, die für neue Fachkräfte wenig mit dem Gewerk zu tun haben. Ein Beispiel: Ein Koch kennt sich nicht mit den Krankheitsbildern und deren Besonderheiten der Zielgruppenmitarbeitenden im Kontext Arbeit aus.

Hinzu kommt, dass die Anforderungen in dieser Ausprägung nur Inklusionsunternehmen betreffen.

Es wurden Verabredungen zu möglichen Hilfen getroffen, die die Inklusionsfirmen in die Lage versetzten, Angebote für die Zielgruppen von Menschen mit Beeinträchtigungen als auch für Langzeitarbeitslose zu verwirklichen. An dieser Stelle: Für die besonderen Arbeitsplätze in Inklusionsunternehmen besteht kein Rechtsanspruch, da die Nachteilsausgleiche als auch Minderleistungszulage aus der Ausgleichsabgabe gezahlt wird, die durch die Arbeitgeber, die nicht im gesetzlich vorgeschriebenen Maße Menschen mit Beeinträchtigungen in ihrer Unternehmen beschäftigen, geleistet wird.

Wir danken Herrn Fock für das gute und fördernde Gespräch und bleiben im gemeinsamen Austausch.

D. Sanlier

Alle aktuellen Meldungen